Mitgliederversammlung des Württembergischen Pferdesportverbandes (WPSV) in Böblingen

Mit 60.087 Mitgliedern steht der WPSV von der Mitgliederzahl an neunter Stelle in der Statistik des Württembergischen Landessportbundes (WLSB). Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung waren von 453 möglichen Vereinen waren gerade mal 75 Vereine vertreten.

Gerhard Ziegler , der seit einem Jahr 1. Vorsitzender des Verbandes ist, ging in seinem Rückblick ausführlich auf das Jahr 2003 ein. Der WPSV hat im vergangenen Jahr  12 neue Vereine aufgenommen und hat nun 453 Mitgliedsvereine. Die Mitgliederzahlen haben in den letzten zehn Jahren stetig zugenommen. Von 54402  im Jahr 1994 stieg die Mitgliederzahl auf  60087 an . Im Jahr 2003  wurde eine Zunahme von 0,62 % verzeichnet. Damit gehört der Pferdesport zu den Verbänden, die auch heute noch einen Mitgliederzuwachs haben.

Der Anteil der Jugendlichen hat sich  in 2003 gegenüber 2002 nicht wesentlich verändert und beträgt 21151 Personen. Zugenommen hat der Anteil der weiblichen Mitglieder auf 18191 , dies entspricht 86,01 %.

 

Jugendförderung

Die Jugendarbeit des Verbandes im sportlichen Bereich wurde durch die Regionalkader noch mehr intensiviert. Dadurch werden Talente bereits früh gefördert und motiviert. Das Höchstalter der Regionalkadermitglieder liegt in allen Sparten bei 16 Jahren. Zusätzlich zu den Kadermitgliedern können die Regionaltrainer noch talentierte Aktive mit geeigneten Pferden zu den Lehrgängen einladen. Für das Juniorenturnier hat der Verband in 2003 7.220 Euro aufgewendet.

Die im Jahr 2002 begonnenen Sichtungsprüfungen des Verbandes haben sich auch in 2003 bewährt und wurden mit 4.320 Euro unterstützt. Sichtungsturniere fanden in Ilsfeld, Leonberg, Schwaigern, Albstadt, Epfendorf und Bad Boll statt  und werden auch in 2004 beibehalten.

 

Verbandsturniere

Etabliert hat sich das Junioren-Sichtungsturnier in Dusslingen, das für Aktive gerne als Saisonauftakt genutzt wird. Die Regionaltrainer Carmen Waldhausen (Dressur) und Manfred Schlüsselburg (Ilsfeld) nominieren nach diesem Turnier die Teilnehmer für die Lehrgänge und den Regionalkader.

Bereits zum dritten Mal wurde in Ulm-Wiblingen der Vergleichswettkampf der Voltigierer ausgetragen. Dieses Turnier wurde vom Verband mit 1.280 Euro unterstützt. Beim Fördergruppenturnier in Tübingen hat sich der Geländeritt zu einem großen „Renner“ für Aktive und Zuschauer entwickelt. Dieses Turnier wird vom Verband mit 6.420 Euro unterstützt. Die erstmals ausgetragene Mannschaftsmeisterschaft fand beim PSV Ulm/Neu-Ulm statt und wurde vom Verband mit 6.400 Euro unterstützt. Sieger wurde der PSK Alb-Donau.

In der Sparte Vielseitigkeit unterstützte der WPSV den Erhalt und die Pflege der Strecke in Marbach im vergangenen Jahr mit 6.600 Euro .

 

Lehrgänge

Auch im Jahr 2003 hat der Verband zahlreiche Lehrgänge in den Pferdesportkreisen (PSK) unterstützt.

Der Landessportverband hat in 2003 die Zuschüsse für die Fördergruppenarbeit ganz eingestellt. Der WPSV hat zur Unterstützung der Arbeit in den Fördergruppen 8.000 Euro zur Verfügung gestellt. Zur Förderung der Ausbilder, die  in den Vereinen tätig sind, hat der Verband zwei Lehrgänge angeboten und diese mit 3.400 Euro unterstützt.

 

Mitgliedsbeiträge

Kontrovers diskutiert wurde bei der Mitgliederversammlung die geplante Veränderung der Beiträge ab 2005. Die letzte Beitragserhöhung des Verbandes war im Jahr 1988. Von den Beiträgen , die die Vereine für Jugendliche unter 18 Jahre bezahlen, bleibt dem Verband nichts. Jeweils 50 Cent werden an den Landesverband und die Deutsche Reiterliche Vereinigung abgeführt. Aber auch künftig sollen diese Beiträge nicht erhöht werden, denn die Verbandsführung sieht in der Jugend die Zukunft der Vereine und des Verbandes.

Die Beiträge der Personen über 18 Jahren werden ab dem kommenden Jahr sogar von 2.05 Euro auf 2 Euro gesenkt. Neu eingeführt wird ein Sockelbetrag von 100 Euro pro Mitgliedsverein.  Trotz der hitzig geführten Diskussion zu diesem Thema wurde der geplanten Änderung mehrheitlich zugestimmt.

 

Delegierte zum Landesverband

Neu gewählt wurden in diesem Jahr die württembergischen Vertreter zum Landesverband (LV) . 68 Personen werden die Interessen des Verbandes Württemberg bei der Delegiertenversammlung  des LV am 19. April in Sindelfingen  vertreten und dort den Präsidenten, den Schatzmeister und den Breitensportbeauftragten des LV wählen.

 

Zukunftsweisende Konzepte im Pferdesport

Bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des Württembergischen Pferdesportverbandes (WPSV) in Sindelfingen am 27. März  wurden nicht nur die Regularien abgehandelt, sondern die Vereinsvorsitzenden aus dem Pferdesport machten sich in vier verschiedenen Arbeitskreisen Gedanken über eine zukunftsweisende Vereinsarbeit.

Unter dem Motto „ die wellness der Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“ gab Ingrid Blome, Vorsitzende des PSV Ulm/Neu-Ulm, einen Überblick über die Erkenntnisse des workshops „Reiten als Gesundheitssport“.Klar zum Ausdruck brachte sie die positiven Aspekte des Pferdesports,“ der die Einheit von Körper und Geist pflegt“ so Ingrid Blome. Nicht nur bei körperlichen Defiziten wie Bewegungsarmut und Haltungsschäden spielt die positive Wirkung des Pferdesports eine große Rolle, sondern auch gegen Streß, der durch das Reiten in der Natur besonders gut abgebaut werden kann. Klar zum Ausdruck kam aber auch, dass das Reiten nicht als Schlankheitsdiät taugt und eine gewisse Beweglichkeit der Pferdesportler von vor herein erwartet wird.

Die Vereine können mit dem Projekt Reiten als Gesundheitssport neue Zielgruppen erschließen und damit Neukunden gewinnen. Allerdings müssen diese neuen Angebote der Vereine über die Medien, Ärzte oder auch Messen bekannt gemacht werden  und geeignete Ausbilder für das Reiten als Gesundheitssport in den Vereinen zur Verfügung stehen.

 

Im Arbeitskreis „neue Formen der Mitgliederinformation“ wurde nach einer Ist-Analyse über die bisherige Art der Mitgliederinformation in den Vereinen  über die Optimierung des Informationflusses vom Vorstand zu den Mitgliedern und umgekehrt, nachgedacht.  So waren sich alle darüber einig, dass der Informationsfluss per Post hohe Kosten verursacht und nicht immer aktuell ist. Als eine gute Möglichkeit der Weitergabe von Informationen wurde die direkte Kommunikation durch Versammlungen oder Gespräche gesehen. Auf Kreisebene kann auch die örtliche Presse oder das Gemeindeblatt zur Weitergabe von Informationen genutzt werden, während die Fachpresse eher zur Selbstdarstellung der Vereine und zur Information über Veranstaltungen geeignet ist.  Das „Schwarze Brett“ ist auch heute noch eine gute Möglichkeit zur Verbreitung von Neuigkeiten aus dem Vereinsleben, allerdings mit dem Nachteil, dass nur ein begrenzter Kreis erreicht werden kann. Klar zu Ausdruck kam , dass die Weitergabe von Informationen über das Internet eine immer wichtigere Rolle spielt. Damit können externe Mitglieder, ebenso wie die Medien, aktuell, preisgünstig und schnell erreicht werden.

 

Nur motivierte Ausbilder können ihre Schüler motivieren, so das Fazit des Arbeitskreis, der für die künftige Ausbildung der Ausbilder neue Denkanstösse geben möchte. Und motivierte Schüler sind die Basis unserer Vereine. Nicht nur eine laute und deutliche Sprache kennzeichnen den guten Ausbilder, sondern viel mehr. Er muß sich auf die Zielgruppe der Jugendlichen genauso einstellen können, wie auf die Erwachsenen, die oft mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen zu den Vereinen kommen. Vor den „  schnellen Kick“ , den heute viele im Sport suchen,fließt im Pferdesport in der Regel sehr viel Schweiß. Das Anspruchsverhalten der Kunden, sprich Reitschüler, an den Ausbilder ist größer geworden. So müssen nicht nur sportfachliche Kompetenzen abgedeckt werden, sondern auch soziale Umgangsformen beherrscht werden.

Gemeinsam wurden Überlegungen angestellt, wie die künftige Weiterbildung der in den Vereinen tätigen nebenberuflichen Ausbilder optimiert werden könnte. Künftig soll nicht nur die eigene reiterliche Fortbildung im Vordergrund stehen, sondern die Unterrichtserteilung im Vereinsalltag . Solche Weiterbildungen könnten zunächst dezentral in den Pferdesportkreisebene erfolgen.

 

Mit Anregungen für  Aktivitäten im Breitensport befasste sich ein weiterer Arbeitskreis. 90 % der Reiter sind breitensportlich orientiert und wollen in unseren Vereinen betreut werden. Dass  sich diese Reiter nicht als Abfallprodukt der Turnierreiterei vorkommen, müssen Vereine und Verbände hier ansetzen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass Aktive, die nicht zum Leistungssport tendieren, aus den Vereinen aussteigen und dem Sport verloren gehen. Die klassische Trainerausbildung ist  nicht zur Motivation dieser Zielgruppe geeignet.  In der nächsten Ausbildungs- und Prüfungsordnung (APO) werden die Ausbildungsgänge jedoch  modifiziert und das Handbuch Pferdesport neu strukturiert und den veränderten Anforderungen angepasst. Der Verband kann hier die verschiedenen Möglichkeiten aufzeigen, aber die Vereine müssen selbst entscheiden, wo sie ihre Prioritäten setzen.

 

Gabriele Knisel-Eberhard

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