Mitgliederversammlung des Württembergischen Pferdesportverbandes (WPSV) in Böblingen
Von 458 Vereinen
waren bei der diesjährigen Mitgliederversammlung des Verbandes in Böblingen
gerade mal 71 anwesend. Stark vertreten war der Pferdesportkreis (PSK)
Oberschwaben mit 34 von 64 Vereinen. Die Tagesordnung wies zwar weder Wahlen,
noch sonstige brisante Themen auf, dennoch hätte sich die Verbandsspitze mehr
Interesse als 15,5 % aller Mitgliedsvereine im Verband gewünscht. Gerhard
Ziegler, 1. Vorsitzender des Verbandes , kritisierte das mangelnde
Interesse der Vereinsvorstände bereits in seinen Begrüßungsworten. „Unser
Ziel ist, die Arbeit von der Basis bis zur Verbandsspitze durchgängig zu
machen, dazu müssen die Vereinsvertreter aber auch zur einmal jährlich
stattfindenden Mitgliederversammlung erscheinen. Scheinbar fehlt zum größten
Teil die Verbundenheit zum WPSV oder das Interesse an der Verbandsarbeit. Häufig
wird die Existenz des Verbandes erst wahrgenommen, wenn Zuschüsse erwartet
werden“ so Gerhard Ziegler.
Mitgliederentwicklung
Gegenüber dem
Vorjahr hat sich die Anzahl der Vereine um fünf erhöht, die Mitgliederzahl ist
auf 58582 Mitglieder gesunken. Grund dafür ist, das der
Islandpferde-Reiter- und Züchterverein Süd (IPZV Süd) mit 1390 Mitgliedern
seinen Sitz nach Südbaden verlegt hat und der Voltigier- und Reitverein Pegasus
Mühlacker mit 182 Mitgliedern nach Nordbaden gewechselt hat. Insgesamt liegt
der Pferdesport trotzdem an neunter Stelle der mitgliedsstärksten Verbände
in Württemberg.
Von der
Vereinsstruktur her haben 137 Vereine bis zu 50 Mitglieder, 290 Vereine zwischen
51 und 300 Mitgliedern, 28 Vereine zwischen 301 und 500 Mitglieder und nur drei
Vereine über 500 Mitglieder.
Der Anteil der
Jugendlichen unter 18 Jahren hat sich mit 21.163 Personen gegenüber dem Vorjahr
nur unwesentlich verändert, zugenommen hat der Anteil der weiblichen Mitglieder
in dieser Altersklasse von 18.191 auf 18.297. Dies entspricht 86,46
% weiblichen Mitgliedern bei den U 18-Jährigen im Verband. Sinnvoll ist es
deshalb, dass der Verband sein Hauptaugenmerk auf die Förderung der Jugend
richtet. Selbst die vom Verband geförderten Maßnahmen der Ausbilderförderung
kommen am Ende wieder der Jugend zu gute.
Verband investiert viel in die Jugendförderung
Zur Jugendförderung
unterstützt der Verband Lehrgänge für die Regionalkadermitglieder, Lehrgänge
innerhalb der Pferdesportkreise (PSK) und die Sichtungsturniere. Dennoch kommt
von unten weniger Nachwuchs für den Leistungssport nach, als noch vor Jahren.
Klar zum Ausdruck
brachte Gerhard Ziegler auch, dass ein hoher Prozentsatz der Jugendlichen
nicht turnierorientiert sind und , dass der Verband künftig mehr im
Bereich „überfachliche Jugendarbeit“ und bei den Kooperationen „Schule
und Verein“ tun muss, um auch zukünftig Mitglieder an die Vereine zu binden.
Für die
Verbandsturniere Dusslingen, Ulm-Wiblingen, Tübingen und Ulm/Neu-Ulm hat der
WPSV im Jahr 2004 21.593 Euro
ausgegeben. Zusätzlich wurden noch Juniorenturniere in 11 PSK's mit 15.530 Euro
unterstützt. Bisher galt die Regel, dass pro PSK und Jahr nur ein
Juniorenturnier durch den Verband unterstützt werden kann , ab dem nächsten
Jahr kann der Verbandszuschuss von 1.250 Euro auch auf zwei Veranstaltungen
verteilt werden.
Bis 2010 hat der
WPSV die Geländestrecke in Marbach vom Haupt- und Landgestüt gepachtet. Dafür
werden jährlich 6.560 Euro für Pacht und den Erhalt der Strecke aufgewendet.
Im Jahr 2004 fand dort neben einer internationalen Vielseitigkeit die Württembergische
Meisterschaft der Reiter und Senioren statt. Michael Jung sicherte sich hier den
Titel.
Bereits seit
Jahren unterstützt der Verband zwei Fortbildungslehrgänge für die Ausbilder.
Zusätzlich wurde
am 12. März 2005 erstmalig ein etwas anderes Seminar zur Fortbildung angeboten.
Mit über 70 Teilnehmern hat wurde dieses Seminar positiv aufgenommen und war für
die Ausbilder an der Basis eine gute Anregung zur Gestaltung eines modernen
Unterrichts.
Defizit geringer als erwartet
Das Defizit
des Verbandes blieb unter dem Haushaltsvoranschlag, drastische Sparmaßnahmen
und weniger abgerufene Zuschüsse für Lehrgänge, als im Haushaltsvoranschlag
geplant, sorgten dafür, dass der Verlust 22.054 Euro betrug. Für das nächste
Jahr wird bereits wieder ein Überschuss gerechnet. Klar ist aber auch, dass der
Verband mit weniger Zuschüssen aus Toto/Lotto-Geldern und des Sportbundes als
in der Vergangenheit rechnen kann. Dennoch wurden in 2004 alle Vorhaben wie
geplant durchgeführt. Kritik aus der Versammlung kam als keiner der beiden gewählten
Rechnungsprüfer, Dr. Colin Magg und Manfred Brüssel, anwesend war um
ihren Bericht selbst vorzutragen.
Ist Reiten Sport, nicht nur für's Pferd?
Zum Thema „Fit
für's Pferd“ referiert Natalie Kühn, Sportwissenschaftlerin aus Berlin. Doch
wer gedacht hatte, dass es sich nur um graue Theorie handelte, wurde bereits zu
Beginn beim praktischen warm-up hellwach und ahnte Schlimmeres. Dennoch waren
alle Anwesenden mit Eifer bei der Sache und gingen gemeinsam der Frage nach
„macht mich Reiten fit oder fertig“. Der zentrale Punkt des Vortrags
war „muß ich als Reiter fit sein, wenn ich auf's Pferd steige?“. Fazit von
Kühns Referat und den praktischen Einlagen für die Teilnehmenden war, dass
Fitness im Reitsport im Breiten- und im Leistungssport ein wichtiges Thema ist.
Antrag der Oberschwaben
Während die
Regularien bei der diesjährigen Mitgliederversammlung schnell abgehandelt
waren, kam unter Punkt Verschiedenes so richtig Stimmung auf. Zwei Stunden lang
wurde über den vom PSK Oberschwaben eingebrachten Antrag mit drei Unterpunkten
diskutiert und abgestimmt . Mehrheitlich wurde für den Wechsel des Tagungsorts
innerhalb des Verbandsgebiets gestimmt. Die Konsequenzen aus diesem Antrag
wurden bereits gezogen. Die nächste Mitgliederversammlung findet am 25. März
2006 in Ulm-Dornstadt statt. Nach dem einstimmigen Votum der Vereinsvertreter in
Böblingen steht bei dieser Tagung die praktische Arbeit in workshops mit auf
dem Programm.
Befürwortet
wurde auch der Vorschlag, dass sich potentielle Funktionsträger künftig über
die homepage des Verbandes rechtzeitig vor der Wahl der Öffentlichkeit
vorstellen. Nur, wenn man sich rechtzeitig und nicht erst am Wahltag über die
Kandidaten informieren könne, sei eine demokratische Wahl möglich, so die
Antragsteller. Natürlich hat die personenbezogene Information von Kandidaten -
am besten mit Foto- etwas für sich, aber, ob damit die fähigsten Ehrenamtler
in die richtigen Positionen kommen, muss sich erst noch beweisen. Der Schuss
kann mit einer solchen Forderung auch nach hinten los gehen, und zwar, dass sich
künftig noch weniger Vereinsvertreter für ein Ehrenamt im Verband zur
Verfügung stellen.
Gabriele Knisel-Eberhard