Beworben haben sich in diesem Jahr sechs württembergische
Vereine und je ein nord- und südbadischer Verein.
Bei der
Delegiertenversammlung des Pferdesportverbandes Baden-Württemberg, dem
„Landtag der Reiter“ am 10. April wurden die Preise und Urkunden durch
den Präsidenten des Verbandes, Volker Hahn (Ravensburg), und
Landesjugendwart, Falk-Ingo Kettlitz (Bad Saulgau), übergeben.
Als Sieger
hatte die Jury, die aus der Jugendleitung und Mitarbeitern der Geschäftsstelle
bestand, den Verein Leonberg ausgewählt. Bei diesem Verein hat
nicht nur die hervorragende Präsentation des Vereins beeindruckt, sondern
auch, wie die Jugendlichen in den Verein einbezogen werden. Der Reit- und
Fahrverein Leonberg, der 1932 gegründet wurde, zählt heute rund 630
Mitglieder, davon etwa 200 Jugendliche und 100 Ponykinder. Er zählt zu
den größten Reitvereinen in Baden-Württemberg . Der Reitverein liegt außerhalb
der Stadt Leonberg , dennoch zentral und mit öffentlichen Verkehrsmitteln
gut zu erreichen. Der Verein verfügt neben 15 Lehrpferden noch über 5
Lehrponys. In der Ponygruppe werden die Jüngsten an den Pferdesport
herangeführt und die Kinder können in diesem Verein schon sehr früh mit
dem Reitsport beginnen. In den Ferien wird regelmäßig eine Ponyfreizeit
angeboten. Viel Wert wird im Reit- und Fahrverein Leonberg auf die
vielseitige Ausbildung gelegt. 1989 wurde im Verein - in Zusammenarbeit
mit der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) eine Ponygruppe unter
Leitung von Sigrid Adam gegründet, damals war der RFV Leonberg einer der
ersten Vereine , der den Kinder so einen frühen Einstieg in den
Pferdesport ermöglichte. Bei diesem Projekt stand im Vordergrund
bereits Kinder im Alter von 5-6 Jahren für den Pferdesport zu begeistern
und so qualifizierte Nachwuchsreiter auszubilden. Seit 1989 wurden mehr
als 300 Kinder zwischen acht und zehn Jahren so an den Reitsport
herangeführt. Zu Zeit reiten in der Ponygruppe über 45 Kinder in drei
verschiedenen Leistungsgruppen. Besonders stolz ist der Verein darauf,
dass bei der Ponygruppe auch vier Jungs dabei sind.
In der Grundausbildung stehen
Pferdepflege, horsmanship und spielerische Elemente im Vordergrund. In den
fortgeschrittenen Gruppen werden die Kinder qualifiziert auf ihre ersten
Turnierstarts vorbereitet und auf Turnieren betreut. Viele der heutigen
aktiven und erfolgreichen Sportreiter des Reit- und Fahrvereins Leonberg
in allen Disziplinen haben in der Ponygruppe begonnen, Erfolge als
Ponysportler gehabt, bis hin zur Teilnahme an Deutschen
Meisterschaften .
Der Reit- und Fahrverein Bottwartal
hat bereits im letzten Jahr am Preis um die Beste Jugendarbeit
teilgenommen und dabei den dritten Platz belegt. Trotz der Struktur des
Vereins, ein kleinerer ländlicher Verein, ist das Angebot des Vereins
sehr breit angelegt. Der Verein bietet Reitunterricht für alle
Altersgruppen auf Schul- und Privatpferden an. Für die Jüngsten steht
das Vereinspony Nantos- das von den Kindern liebevoll „Zotti“ genannt
wird- zur Verfügung. Die Kinder dürfen das Pony, das sich diese
Prozeduren geduldig gefallen lässt, allein putzen, satteln und trensen
und können schon sehr früh lernen, was alles rund ums Pferd zu tun ist.
Das Pony wird sowohl für die Kinder im Anfängerunterricht, als auch die
fortgeschritteneren Reiter im Turniersport in Dressur, Springen und Gelände
eingesetzt. Einen besonderen Erfolg feierte der Reit- und Fahrverein
Bottwartal im vergangenen Jahr, als Friedericke Jähnichen mit dem
Schulpony Zotti Kreismeisterin (Kreis Ludwigsburg) im Geländereiterwettbewerb
und im Springreiterwettbewerb wurde. Durch die gezielte Förderung des
Ponysports im Verein konnten Aktive des Vereins den Sprung in den Landes-
bzw. Regionalkader Dressur schaffen.
Dieser Verein belegt in diesem Jahr
Platz zwei.
Mit dem Ponyhof Müller aus
Ostfildern wird erstmalig ein Pferdebetrieb ausgezeichnet. Am
Rande der Großstadt Stuttgart reiten wöchentlich etwa 240 Kinder
ab dem Alter von sechs Jahren bis zu 16 Jahren auf zwei überdachten Außenplätzen
oder bei guter Witterung auf dem Außenplatz und lernen das Reiten in den
drei Grundgangarten und theoretisches Wissen zum Erwerb von
Motivationsabzeichen.
Das Ziel des Betriebs ist die
Basisarbeit, die Kinder sollen früh an das Lebewesen Pferd herangeführt
werden . Viel Wert wird auf die Gemeinschaft der Kinder untereinander
gelegt, eines der Motto des Betriebes ist „gemeinsam sind wir stark“.
Ein weiteres Ziel des Betriebs ist auch, dass Kinder aus sozial schwachen
Familien oder aus Familien in schwierigen Lebenslagen dort reiten können
und so in ihrer Ponygruppe integriert werden und Anerkennung finden. Über
die Landesgrenzen hinaus bekannt ist die Ponyquadrille des Ponyhofs Müller,
die schon Schauauftritte von der Aachener Soers bis hin nach Norwegen
hatte und den Ponysport einem breiten Publikum näher bringen konnte.
Damit die Jugendlichen auch nach ihrer Grundlagenausbildung im Ponyhof Müller
weiter reiten können wird versucht dies dann durch Kontakte zu
benachbarten Ställen und Vereinen zu ermöglichen.
Dieser Pferdebetrieb belegt Platz
drei.
Der Reiterverein Offenburg hat
acht Lehrpferde, davon sind zwei Haflinger, die für die Kinder und
Jugendlichen zur Verfügung stehen. So wird der Haflinger wallach „Shapier“
nicht nur zum Voltigieren eingesetzt, sondern dient für die Anfänger als
Longenpferd. Mit den fortgeschrittenen Reitern nimmt er auch an Lehrgängen
teil. Als richtiger „Allrounder“ steht im Verein noch der
Haflinger-Freiberg-Mix „John-Boy“ zur Verfügung, mit dem die
Jugendlichen in Springen,Dressur und Gelände auch auf Turnieren bis zur
Klasse E an den Start gehen. Der Schwerpunkt im Verein liegt auf dem
Dressurreiten, die fortgeschrittenen Jugendlichen aus diesem Verein haben
die Möglichkeit- auch ohne eigenes Pferd- an Turnieren teilzunehmen. So
werden im RV Offenburg gezielt auch Jugendliche gefördert, die von zu
Hause aus, nicht die Möglichkeiten haben am Turniersport teilzunehmen.
Die Jugendlichen trainieren zur Vorbereitung auf den Leistungssport einmal
wöchentlich und nur jede zweite Stunde ist kostenpflichtig. Dazu unterstützen
viele Ehrenamtliche den Verein indem sie auch die Transporte der
Schulpferde zu den Turnieren übernehmen.
Dieser Verein belegt Rang vier.
Die Reitervereinigung Biberach
ist ein Verein mit langer Tradition und 430 Mitgliedern, davon sind 160
Jugendliche. Im Verein wird das Engagement für die Jugend groß
geschrieben. „Unsere Jugend ist unser Zukunft“ ist das Motto des
Vereins.
Ein wahrer Glücksfall für den Verein
ist, dass die Schützendirektion Biberach eine Shetlandponyherde aus 8
erwachsenen Ponys und 5 Fohlen besitzt, die von der Reitervereinigung
Biberach betreut und ausgebildet werden und dafür für die Jüngsten als
Lehrpferde zur Verfügung stehen. Zusätzlich hat der Verein noch 3
eigene Haflinger für die größeren unter den Reitanfängern.
Das Angebot des Vereins reicht vom
Ponyführen für Kleinkinder bis zum Training des Ponyteams. In diesem
Ponyteam sind etwa 14 Mädchen zwischen neun und 18 Jahren, die bei der
Reitervereinigung Biberach reiten lernen und bis zur Turnierteilnahme gefördert
werden. Diese Mädchen organisieren in Eigenregie die Versorgung der
Ponyherde ,in Offenställen untergebracht sind, vom täglichen Misten bis
zur Ausbildung der jungen Ponys. Inzwischen haben sie den Namen der
Reitervereinigung Biberach mit ihrer Shetty-Schaunummer in der
Schleyer-Halle, bei den Süddeutschen Hengsttagen in München und ihrer
Fernsehauftritte bei VOX und beim Bayrischen Rundfunk weit über die
Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht.
Dieser Verein belegt Rang fünf.
Der Reitverein Lorch wurde 1974
gegründet und von den rund 200 Mitgliedern sind fast die Hälfte
Jugendliche. Oberstes Ziel im Reitverein Lorch ist die Jugendarbeit, die
durch drei ehrenamtlich tätige Ausbilder in Dressur und Springen
geleistet wird. Gemeinsam mit Marianne Späh wird seit der Vereinsgründung
eine Kooperation mit dem Ponyhof Späh betrieben. Dort findet die
Hauptjugendarbeit des Vereins statt. Marianne Späh, Tochter der bekannten
Pferdebuchautorin Lise Gast, stellt den Kindern und Jugendlichen
acht Isländer und drei Shettlandponys zur Verfügung. Die Kinder lernen
dort neben Pferdepflege den Umgang mit dem Pferd und erhalten
Reitunterricht auf dem Reitplatz oder gehen ins Gelände. Neben dem herkömmlichen
Unterricht bieten Marianne Späh und ihr Mann Paul immer wieder neue
Aktionen wie Horseball, Feuerspringen, Quadrille oder Ungarische Post an.
Zusätzlich können die Kinder beim Ponyhof Späh noch die ersten
Erfahrungen im Fahren machen, denn fast alle Ponys können eingespannt
werden.
Diese Kooperation eines Vereins mit
einem Privatstall zeigt auf, was für Möglichkeiten zur Nachwuchsförderung
im Pferdesport eingegangen werden können. Im diesjährigen Preis um die
Beste Jugendarbeit belegt der Reitverein Lorch Rang sechs und erhält
damit einen Gutschein für eine Fortbildungsmaßnahme des Landesverbandes
im Jugendbereich, z.B. die kombinierte Ausbildung zum Trainerassistent
Reiten und Juleica.
Die Ausschreibung zum Preis der Besten
Jugendarbeit in 2006 steht bereits. Als Thema wurde „ Förderung von
Jungs im Pferdesport“ ausgewählt.
Nähere Informationen oder das Foto
der Preisverleihung erhalten Sie bei Gabriele Knisel-Eberhard, Telefon
07141/43069 , e-mail: knisel@pferdesport-bw.de.
Gabriele Knisel-Eberhard