FN-Tagungen Friedrichshafen
Friedrichshafen (fn-press). Von den
Gastgebern, dem Pferdesportverband und dem
Pferdezuchtverband Baden-Württemberg hervorragend vorbereitet, fand
Anfang Mai in Friedrichshafen am Bodensee die diesjährige
Jahrestagung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung
(FN) statt. Ein zentrales Thema war die geplante
Anhebung des seit 1970 konstanten Mitgliedsbeitrages für das Jahr 2007.
Bereits in den Wochen zuvor in den Landesverbänden vorgestellt und
diskutiert, sprach sich die überwältigende Mehrheit des
Verbandsrates, lediglich der Landesverband
Berlin-Brandenburg stimmte dagegen, für eine Anhebung von
einem Euro pro Jahr und Vereinsmitglied aus. Nach den FN-Tagung wendete
sich FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau (Breitenburg) in einem offenen
Brief an alle Vereinsmitglieder:
„Liebe Vereinsmitglieder,
Sie alle kennen eines der leidigsten
Themen, um das innerhalb eines Vereins diskutiert und
oft erbittert gestritten werden kann. Gemeint ist das Thema der
Beitragserhöhung. Da mögen Vorstandsmitglieder
noch so logisch argumentieren und mit noch so exakt
ermittelten Zahlen die dringend notwendige Erhöhung darstellen können,
selbst um eine Erhöhung von einem Euro pro Mitglied im
Jahr kann in einer Versammlung stundenlang
gestritten werden.
Daher möchte ich Ihnen auf diesem Wege
persönlich die Gründe darstellen, warum bei den
FN-Tagungen in Friedrichshafen der Verbandsrat in Übereinstimmung mit
den Landesverbänden eine Erhöhung des
FN-Mitgliedsbeitrags um zukünftig einen Euro pro
Mitglied und Jahr beschlossen hat.
Seit dem Jahre 1970 wurde der Beitrag der
Reitvereinsmitglieder mit einer Mark, respektive 50
Cent im Jahr konstant gehalten. Trotz Kaufkraftschwund – die 1970
beschlossene eine Mark ist heute nur noch zwischen 15 und
20 Cent wert – konnte eine Beitragsanpassung über
fast 35 Jahre hinweg verhindert werden.
Betreute die FN 1970 rund 212.000
Mitglieder, stellt sie heute für rund 761.000 Mitglieder
vielfältige Angebote und Dienstleistungen zum Teil kostenlos zur
Verfügung.
Im Laufe der letzten 35 Jahre kamen auf den
Verband zahlreiche neue und erweiterte Aufgaben und
Anforderungen zu. Pferdesport, Pferdezucht oder das Reiten in der freien
Natur werden mittlerweile durch Hunderte von Gesetzesnormen auf Landes-,
Bundes- oder EU-Ebene tangiert. Sie alle gilt es zu
beobachten und im Sinne unseres Sportes zu steuern.
Die immens gestiegene Bedeutung des
Tierschutzes in Sport, Zucht und Haltung kommt
unseren Pferden sicherlich sehr zugute. Sie bedeutet zugleich jedoch auch
eine Fülle an Mehrarbeit, die zwingend zu leisten ist.
Allein die Dopingbekämpfung – vor 35 Jahren ein
fast unbekanntes Thema – ist heute ein arbeits- und finanzintensiver
Aufgabenbereich.
Die Förderung des Breitensports oder die
Beachtung von Umweltaspekten in der Pferdehaltung
– 1970 ebenfalls noch Randthemen – sind zu wichtigen und
arbeitsintensiven Aufgabengebieten des Verbandes
geworden. Gleiches gilt für die Forschung rund um
das Pferd.
Im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit
bietet die FN ihren Mitgliedern heute ein hoch informatives
und aktuelles Internet-Angebot, das allein im vergangenen Jahr über
etwa 1.800 Seiten verfügte und von rund 7,6 Millionen
Lesern genutzt wurde. Dabei wurden mehr als
82.000.000 Seiten abgerufen.
Die zahlenmäßige Situation in Sport und
Zucht hat sich in den vergangenen Jahren jedoch
grundlegend verändert. Allein bei der Turnierpferdeeintragung sind
Einnahmen in Höhe von 600.000 Euro weggebrochen.
Insgesamt handelt es sich in den Jahren 2002 bis
2004 um eine Summe von 2.200.000 Euro.
Da eine solche Entwicklung vorhergesehen
wurde, hat die FN umfangreiche und teils drastische
Sparmaßnahmen in Höhe von rund zwei Millionen Euro vorgenommen. Trotz
der rigorosen Einsparungen wird die Finanzierungslücke größer und die
in finanziell guten Jahren angelegten Ersparnisse sind bald
aufgebraucht.
Auf der Suche nach weiterem
Einsparpotential haben wir intensiv diskutiert, ob wir Aufgaben
oder Service abbauen, einschränken oder effektiver durchführen können.
Hierzu hat eine Arbeitsgruppe aus
Landesverbandsvertretern und FN sämtliche Aufgaben sowie
die Aufgabenwahrnehmung durchleuchtet. Als Ergebnis dieser Analyse wurde
von den Landesverbänden eindeutig gefordert, dass die derzeitigen
Aufgaben auch in der Zukunft von der FN wahrgenommen
werden müssen. Wir werden jedoch auch weiterhin
untersuchen, an welcher Stelle und wie diese Aufgaben mit
größtmöglicher Effizienz durchgeführt werden
können und weitere Einsparungen möglich sind.
Die Einnahmesituation auf Kosten des
Turniersports zu verbessern ist nicht möglich. Um
die Turnierveranstalter, sprich die Vereine, finanziell zu unterstützen
und damit auch zu motivieren, weiterhin Turniere
anzubieten, hat es in den vergangenen Jahren für
die Turniersportler deutliche finanzielle Mehrbelastungen gegeben. Eine
weitere Belastung dieser Gruppe würde den Turniersport in
seiner Existenz gerade für die Normalverdiener, und
das ist die Vielzahl unserer Turnierreiter, ernsthaft gefährden.
Die Mitgliedsbeiträge der Vereinsmitglieder machen heute lediglich 2,5
Prozent der Gesamteinnahmen des Verbandes aus. Nur eine
kleine Mehrbelastung dieser vielen kann den
notwendigen Befreiungsschlag bringen. Eine Mehrbelastung von
einem Euro pro Jahr bedeutet für das einzelne Mitglied de facto ein
halbes Bier, viereinhalb Zigaretten oder eine Tafel
Schocklade weniger im Jahr. In der Summe jedoch
bedeutet dies, dass der Verband auch weiterhin seinen Aufgaben nachkommen
kann. Und dazu gehört unter anderem, dass rund 40 Prozent
der Verbandsausgaben in Förderprojekte fließen,
die dem gesamten Pferdesport zugute kommen.
Ein kleiner Trost: Selbst nach der
Beitragsanpassung liegen wir im Vergleich zu anderen
Sportorganisationen noch am unteren Ende der Beitragshöhe.
Um den Herausforderungen der Zukunft
begegnen zu können, benötigen wir einen starken
Verband, also eine starke FN und starke Landesverbände. Und nur eine
starke FN und starke Landesverbände können die Vereine in
ihrer Arbeit so unterstützen, wie sie es verdienen.“
T.H.
Quelle: FN-Aktuell