Pferderipper im Land – Sorgt für mehr Sicherheit für Stall und Weide!

 

Weingarten/Kehl/Sigmaringen/Bad Schussenried.(stb). Erst Kehl, dann Sigmaringen, jetzt Bad Schussenried – liebe Pferdefreunde sorgt für mehr Sicherheit für Stall und Weide. Pferdeschänder sind wieder aktiv im Lande.

Hinweis nimmt jede Polizei-Dienststelle entgegen.

Kehl: 07851-893330

Die Sorge vor Pferdeschändern steigt im Lande extrem. Jüngst wurden in Südbaden (um den 10. August 2006) und im Raum Sigmaringen (um den 22. August 2006) sowie in Bad Schussenried (um den 25. August 2006) wieder Pferde von Unbekannten schwer verletzt. Auch im Raum Biberach war vor wenigen Monaten ein Fall von Pferdeschändung bekannt geworden. Zuletzt bekannt gewordene Fälle stammen aus Sigmaringen, genauer aus Aach-Linz und Bad Schussenried-Hopferbach. 

Täter auch tagsüber aktiv

In Aach-Linz waren zwei Pferde durch Schnittwunden verletzt worden. Eine tragende Vollblutstute wurde dabei besonders schwer verletzt. Wie die Polizei mitteilte, waren die Pferde tagsüber auf getrennten Koppeln untergebracht. Gegen Abend stellte der Besitzer der Pferde die Verletzungen an seinen Tieren fest. Der Fall beweist, dass entsprechende Täter durchaus auch bei Tageslicht aktiv sind. Die zuständige Polizeihundeführerstaffel der Polizeidirektion Sigmaringen ist unter Tel. 07552-201640 erreichbar. 

Fliehende Pferde verursachten Verkehrsunfall

In Bad Schussenried-Hopferbach wurden laut Polizeibericht bereits am Dienstag, 22. August 2006, zwei Pferde erheblich verletzt. Die verletzte Stute und ein weiteres Pferd brachen offenbar wegen der Attacke aus der Weide aus und verursachten kurz darauf einen Verkehrsunfall. Eingefangen wurden die Pferde viele Stunden später am Tag darauf. Der Tierarzt nahm an, dass die Wunden der Pferde absichtlich herbeigeführt worden seien. Auch hier ist die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen (Bad Schussenried, Tel: 07583-942020). Unklar sei es, so die Polizei, ob es einen Zusammenhang der Tat in Bad Schussenried und einem Fall von Pferdeschändung in Winterstettenstadt Anfang Juli gibt. Damals war dort eine Stute wegen einer Attacke gestorben. 

Zusammenhänge möglich?

Die örtliche Nähe zwischen Sigmaringen und Bad Schussenried legt die Möglichkeit nahe, dass hier der gleiche Täter zu Gange war. Man weiß ja aus zurückliegenden Fällen in ganz Deutschland, dass solche Tierquäler durchaus mobil sind. Deshalb sind Beobachtungen der Pferdebesitzer und Anwohner gegenüber fremden Autos auch besonders wichtig. Es ist auch nicht auszuschließen, dass Täter, nach langer „Ruhephase“ wieder aktiv werden. So ist Bad Schussenried schon einmal Ort von Pferdeschändungen gewesen. Der Täter wurde damals von einem Pferdebesitzer gestellt, bedrohte diesen und konnte entkommen. Die Polizei hatte daraufhin eine intensive Suche gestartet. Auch in Bad Waldsee gab es im Dezember 2002 Übergriffe auf Pferde. 

Pferde werden manchmal mehrfach gequält

Im südbadischen Kehl ermittelt die Polizei schon seit Wochen. Dort wurde ein Pferd gleich dreimal schwer misshandelt. Wie die Polizei den dortigen Fall beschreibt, hat der Täter die Stute zunächst in den Stall gesperrt und ihr dann im Genitalbereich und an der Hinterhand heftige Wunden zugefügt. Seit Juni 2006 sind im Großraum Kehl fünf Pferde mit Schnittverletzungen gefunden worden (Polizei Kehl: 07851-893330). Von einem Fall im Grenzgebiet zwischen den Kreisen Ravensburg und Sigmaringen ist bekannt, dass vor einiger Zeit ebenfalls eine Stute mehrfach von einem Pferdeschänder heimgesucht und verletzt wurde. 

Verband ruft immer wieder zur Vorsicht auf

Der Pferdesportverband Baden-Württemberg verfolgt seit Jahren mit großer Sorge derartige Vorgänge und rüttelt seinerseits die Pferdebesitzer auf, noch besser auf ihre Tiere aufzupassen. Dennoch bleibt die Gefahr sehr groß, wie die aktuellen Fälle zeigen. Einzelne Täter scheinen sogar das Tageslicht nicht mehr zu scheuen. Darin liegt aber auch eine Chance, einmal einen Täter zu beobachten, gar dingfest zu machen. 

Überreaktion betroffener Pferdebesitzer vermeiden

Betroffene Pferdebesitzer dürfen in ihrer Reaktion nicht über das Ziel hinausschießen. Der Pferdesportverband Baden-Württemberg warnt entschieden vor „Selbstjustiz“, deren Ursache im Zorn auf die Pferdeschänder liegt. Aber jede überzogene Reaktion birgt gleichzeitig eine Strafverfolgung durch die Polizei in sich. Deshalb gilt: Beobachtungen und Beschreibungen von Vorgängen, Personen und fremder Autos sind gebotene Mittel, der Polizei zum Erfolg zu verhelfen. Selbst das unter bestimmten Umständen erlaubte Festhalten von verdächtigen Personen kann für den Pferdebesitzer eine große Gefahr darstellen. Pferdeschänder haben ja oft Gegenstände bei sich, die als Waffe dienen können und freiwillig wird sich ein Täter nicht festhalten lassen, was sich auch an einem früheren Fall in Bad Schussenried klar belegen lässt. In jedem Fall erfordert das Festhalten einer verdächtigen Person umgehend die Alarmierung der Polizei. Alles andere kann für den Pferdebesitzer selbst unliebsame Folgen haben. Die Polizei des Landes ist, das hat sich in den zurückliegenden Jahren immer wieder gezeigt, schnell aktiv und nimmt Fälle von Pferdeschändungen sehr ernst. In der Sorgfalt der Pferdefreunde und genauen Beobachtung in Zusammenarbeit mit der Polizei liegen die Chancen, solcher Leute habhaft zu werden, die sich an den Tieren vergehen. 

Auf gute Beobachtungen kommt es an

Der Pferdesportverband bittet deshalb immer wieder Spaziergänger, Nachbarn von Pferdehöfen, Jäger und Landwirte um deren Mithilfe. Auffälligkeiten sollten umgehend der Polizei gemeldet werden. 

Welche Pferde sind besonders gefährdet?

Stuten, vor allem wenn sie nachts draußen bleiben, sind einem leichten Zugriff ausgesetzt.

Sind die Tiere – was die Regel ist – zutraulich und menschenbezogen, sind sie potentielle Opfer. Pferde, die selten kontrolliert werden und Pferde, an die besonders leicht heran zu kommen ist, sind extrem gefährdet. Hinzu kommen abseits gelegene Weiden und Offenställe, unverschlossene oder unbewachte Stallanlagen und verkehrsgünstig gelegene Stallungen und Weiden mit guten Versteck- und Fluchtmöglichkeiten. 

Was ist zu tun, wenn man ein verletztes Pferd auf der Weide oder im Stall antrifft?

Zunächst muss man versuchen die Ursache der Wunden zu klären: Könnten Weideverletzungen durch kaputte Zäune und Pfähle entstanden sein? Blut- oder Haarspuren lassen sich dann erklären. Sollte nach sorgfältiger Suche keine Ursache innerhalb der Anlage oder Weide festgestellt werden können, besteht die Möglichkeit eines „Fremdeinwirkens“. Dann muss neben dem Tierarzt umgehend die Polizei gerufen werden! Bis zum Eintreffen des Tierarztes oder auch durch diesen selbst sollte die unversorgte Wunde genau fotografiert werden, was heutzutage bei der verbreiteten Digitalfotografie kein Problem mehr darstellt. Die nähere Umgebung sollte nach möglichen Tatwaffen abgesucht werden. Findet man solche Gegenstände, darf man sie nicht vom Ort entfernen oder berühren. Vielmehr dienen sie der Polizei als wertvolle Spuren! 

Vorbeugende Maßnahmen sind wichtig

Es wird empfohlen, Pferde nachts in den Stall zu bringen. Die Sicherungsmaßnahmen sollten kontrolliert und verbessert werden an Stall und Koppel. Auch Ställe lassen sich mit einfachen Mitteln verschließen, ohne dass der Frischluftaustausch gehindert wird. Gittertüren helfen hier. Weiden oder Laufställe sollten nach fremden Anfütterungsstellen untersucht werden, Löcher im Zaun, kaputte Fenster oder leicht zu öffnende Türen sollten repariert bzw. geändert werden. Regelmäßige Kontrollen der gesamten Anlage und Weiden zu unterschiedlichen Zeiten schaffen Sicherheit, weil viele Täter ihre Opfer erst ausspähen, bevor sie zuschlagen.

Nachbarn, andere Pferdehalter, Jäger, Landwirte, Förster sollten angesprochen und um erhöhte Aufmerksamkeit gebeten werden. 

Fremde auf der Anlage

Besucher auf dem Hof, an der Weide sind nicht grundsätzlich unter Generalverdacht zu stellen. Jedoch: Vorsicht ist angebracht. Fremde auf Hof, Weide und Reitanlage sollten grundsätzlich angesprochen werden. Angestellte oder Mitarbeiter, auch Einsteller sollten vom Betreiber verbindlich beauftragt werden, Fremde immer anzusprechen. Nach dem Namen und dem Woher zu fragen ist sehr wohl erlaubt und hilfreich. Solche Details lassen sich gut notieren, auch auf die Gefahr hin, dass die Angaben falsch sind. Es sollte stutzig machen, wenn sich der angebliche Tierfreund intensiv nach den Tieren erkundigt, sich die Stallungen und Sattelkammer zeigen lassen will. Es könnte sich um das Ausspähen des Objektes handeln. Ziel solcher „Erkunder“ könnte es auch sein, Diebstähle von Tieren und Ausrüstung vorzubereiten. Deshalb sind Zurückhaltung und Aufmerksamkeit sowie Beobachtungsgabe wichtig. Autos und Personen sollten genau beschrieben werden können. Oft helfen Fotos. 

Wer sind die Pferdeschänder?

Antwort versucht Alexandra Schedel-Stupperich zu geben (Buchtitel: So Schütze ich mein Pferd – siehe Info am Ende des Beitrages). Oft seien Täter introvertierte, kontaktarme Menschen mit schlechter sozialer Anbindung; Menschen mit gestörter Persönlichkeit, einige weisen minimale Hirnschäden auf; sadistisch veranlagte Personen; Personen mit zerstörersicher, krimineller Energie. Oft sind Täter in einem niedrigen sozialen Umfeld angesiedelt, verfügen jedoch häufig über Erfahrung mit Pferden. Auch „böse Nachbarn“, Neider ,Versicherungsbetrüger und Jugendbanden gehören zum Täterkreis, schreibt die Autorin. Motive der Täter seien Neid oder Hass auf Pferdebesitzer, genereller Hass auf Pferde. Manchmal spiele Hoffnung auf finanzielle Vorteile eine Rolle oder gar der Wunsch, andere bewusst in ihren Gefühlen zu verletzen oder einzuschüchtern. Auch Eifersucht könne ein Motiv sein ebenso wie Geltungssucht, die über die Medienberichterstattung befriedigt wird. 

Vorsicht vor Medienrummel

Die Medien sind ein wichtiges Kontrollorgan in unserer Gesellschaft. Sie können einen guten Beitrag leisten bei der Vorbeugung, Verhinderung oder Verfolgung von Verbrechen an Pferden und anderen Tieren. Jedoch: Sensationslust ist bei manchen Medienvertretern auch ein Motiv, am Hof eines geschädigten Pferdebesitzers aufzutauchen. Schlechte Beispiele gibt es in der Tat. 

Der Umgang mit den Medien kann für Betroffene zu einem Problem werden. Aufgewühlt von der Tat lassen sich manche Betroffene zu Äußerungen hinreißen, die sie bei nüchterner Betrachtung so nicht machen würden. Solche Aussagen werden gerne auch provoziert und flimmern dann ungebremst über manche Fernsehkanäle. Es ist deshalb betroffenen Pferdebesitzern zu raten, mit „spontanen“ Kommentaren sorgsam umzugehen, vor allem wenn sie emotional noch sehr aufgewühlt sind. Auch hier gilt es, Sensationslust von seriöser Berichterstattung zu unterscheiden. Der örtliche, dem Betroffenen oft bekannte Redakteur „seiner“ Tageszeitung, spielt dabei eher eine helfende Rolle, weil dessen Beitrag der Warnung, dem Schutz anderer Tiere und den Ermittlungen der Polizei dienen kann. 

Technik hilft Pferde schützen

Technik hilft Pferde schützen. Doch Vorsicht! Viele technische Finessen kosten Geld, eigenen sich aber nicht grundsätzlich zur Überwachung von Reitanlagen und Ställen. Alarmanlagen sind nicht immer nur hilfreich, sie sind oft auch lästig, weil sich die Menschen ständig daran erinnern müssen, sie zu aktivieren oder auszuschalten. Die Aufmerksamkeit erlahmt rasch. Deshalb sollte man sich nur fachmännischen Rat holen, den gibt es auch bei den Fachleuten der Polizei und dazu noch kostenlos. 

Ein gutes Buch bietet Grundlagen-Information

Ersten Rat und Information bietet zum Beispiel das Buch: So schütze ich mein Pferd. Die Autoren sind Fachleute auf dem Gebiet. Diplombiologin Alexandra Schedel-Stupperich von der Georg-August-Universität Göttingen forscht und erläutert Kriminalitätsphänomene an Haustieren. Sie beschreibt zunächst Grundsätzliches über Opfer, Täter und betroffene Besitzer, gibt Verhaltensregeln und Rat.

Hans Glindemann ist nicht nur Pferdezüchter sondern auch Kriminalpolizist am Landeskriminalamt Hamburg. Er ist Fachmann für technische und verhaltensorientierte Vorbeugung. Er berät in Fragen von Sicherheitstechnik auch aus eigener Erfahrung. 

Das Pferd ist eine Sache und doch keine Sache – rechtlich gesehen

Manchmal wird ein Delikt an einem Pferd oder anderen Tieren als „Sachbeschädigung“ eingestuft. Doch ein strafrechtliches Nebengesetz, Paragraph 17 des Tierschutzgesetzes, trifft hier stärker zu und müsste zur Anwendung kommen. Darauf sollten betroffene Pferdebesitzer achten. Das raten die oben zitierten Buchautoren. Tiere werden rechtlich nicht mehr mit Sachen gleichgesetzt. Paragraf 1 des Tierschutzgesetzes sieht nämlich den Zweck des Gesetzes darin, „aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen“. Strafrechtlich wird Pferdeschändung von zwei Gesetzen berührt: Paragraf 303 Strafgesetzbuch lautet:  „Wer rechtswidrig eine fremde Sache beschädigt oder zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Dieses Gesetz, das Tiere noch als Sachen definiert, wird jedoch durch Paragraf 17 Tierschutzgesetz überlagert, in dem es heißt: „Mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird ... bestraft, wer 1. ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder 2. einem Wirbeltier a) aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden oder  b) länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.“ 

Tierquälerei ist zudem - im Gegensatz zur Sachbeschädigung - ein Offizialdelikt gemäß Paragraf 304 Strafgesetzbuch. Das bedeutet, dass der Sachverhalt der Polizei bzw. Staatsanwaltschaft vorgelegt werden muss. Sachbeschädigung hingegen wird nur auf Antrag des Betroffenen verfolgt. Um diese Gedanken abzurunden sei darauf hingewiesen, dass es sich im Falle von verletzten Pferden auch um eine Ordnungswidrigkeit handeln kann, wenn die Attribute „Rohheit“ oder sich wiederholend“ nicht gegeben sind. Der Sachverhalt wird als Ordnungswidrigkeit nach dem Tierschutzgesetz geahndet und kann mit einer hohen Geldbuße (ca 25.000 €) belegt werden. In der Praxis, so sagen die genannten Autoren, werde jedoch bei Pferdeschändungen meist Paragraf 17 Tierschutzgesetz angewandt. 

 

Info:

So schütze ich mein Pferd

Müller-Rüschlikon-Verlag, ISBN3-275-01324-6, 136 Seiten, Reichhaltig informativ bebildert, 16 €

Autoren: Alexandra Schedel-Stupperich,

Martin Stellberger

 

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