Leonie Dissmann wurde mit dem Graf Rothkirch-Stipendium ausgezeichnet
Anlässlich des Championatsballs am 2.
Oktober in Warendorf wurde Leonie Dissmann aus Calw mit dem
Graf-Rothkirch-Stipendium zur Förderung junger Vielseitigkeitsreiter
ausgezeichnet.
Hier ein Portrait aus der Sammlung von Martin
Stellberger (Pressedienst):
Leonie Dissmann gewann Bronze bei der EM (PD 9/2003)
CALW. Die
Geschichte gleicht einem modernen Märchen. Da qualifiziert sich Leonie Dissmann,
eine junge Vielseitigkeitsreiterin aus Calw zum ersten Mal für eine
Europameisterschaft und kommt mit der Bronzemedaille zurück. Santa's Little
Helper heißt der vierbeinige Erfolgsgarant von Leonie Dissmann von der
Reitab-teilung des TSV Altensteig, gewöhnlich nur liebevoll Borsti genannt. Der
zehn-jährige Wallach, in Irland geboren, hat seine Reiterin in Pardubic/
Tschechien zu sportlichen Ehren getragen, obwohl Tier und Reiterin erst seit
Ende Februar diesen Jahres zusammen trainieren. Dass alles passen würde, war
recht schnell klar: „Mein Pferd ist ein super Tier, es arbeitet immer mit,
sagt Leonie Dissmann über jeden Tag, an dem sie mit dem Vierbeiner zusammen
sein kann. So richtig realisiert habe ich es erst, als das letzte Hindernis bewältigt
war, freut sich Leonie Dissmann, die sich wenige Wochen vor ihrem 17. Geburtstag
das größte Geschenk selbst gemacht hat. Am Start waren bei den Junioren (bis
18 Jahre) 67 Jugendliche aus 16 Nationen.
Die Medaille, die war schon vor dem Springen greifbar nahe. Platz vier nach der
Dressur, Rang drei nach dem Geländeritt, die Null-Runde im Springen, der
dritten Disziplin, in der schon so viele ihre Träume haben begraben müssen,
sollte den Ausschlag dafür geben, dass Leonie Dissmann mit Bronze nach Hause
fahren durfte. Für weitere Hobbys bleibt der engagierten Pferdesportlerin wenig
Zeit: Ich treffe mich gern mit Freunden, früher habe ich Leichtathletik gemacht
und ein bisschen Tennis gespielt, erzählt Leonie Dissmann. Außerdem, in drei
Wochen geht's schon wieder los mit der Schule, und als Zwölftklässlerin des
Calwer Wirtschaftsgymnasiums wird ihr auch nichts geschenkt. Berufswunsch, sagt
sie, habe sie konkret noch keinen: "Erst einmal möchte ich das Abi machen."
Ziele sportlicher Art, die gibt es sehr wohl, wenn gleich sie nach ihrem
jetzigen Erfolg auf dem Boden bleibt und sich vor ihrem letzten Jahr in der
Junioren-Klasse nicht unnötigem Druck aussetzt: "Ich möchte nächstes
Jahr bei der deutschen Meisterschaft reiten und wieder die Qualifikation zur
Europameisterschaft schaffen."
Erfahrung, was internationale Turniere angeht, hatte Leonie Dissmann bis zu
ihrem Auftritt bei der Europameisterschaft der Vielseitigkeitsreiter keine. Was
die Anzahl der Vereine angeht, sieht das aber anders aus. Mit zehn Jahren hat
die in Stammheim beheimatete 17-Jährige beim RV Calw quasi vor der Haustüre
mit Ponys angefangen. Nachdem sich der Verein aufgelöst hatte, schloss sie sich
dem RuV Gechingen an. Mit ihrem Wechsel nach Altheim im Januar 2001 begann sie
im Stall von Joachim Jung mit der Vielseitigkeit. Mit der inzwischen achtjährigen
Jessy Roy ging es sportlich aufwärts. Nach zwei sehr lehrreichen Jahren
entschied sich Leonie Dissmann, ab 2003 für den TSV Altensteig an den Start zu
gehen. Da Jessy Roy größere Knieprobleme bekam, stieg sie auf Santa's Little
Helper um, das Pferd, mit dem die junge Kaderreiterin (Bundes-C-Kader
Vielseitigkeit seit 2003) jetzt den großen Durchbruch geschafft hat.
Rüdiger Rau, Vater des Erfolges der jungen Reiterin, gilt als außergewöhnlich
guter Reitlehrer und als profunder Kenner der Szene, was die
Vielseitigkeitsreiterei nicht nur in Deutschland angeht. "Im
Juniorenbereich ist die Konkurrenz international ganz eng beieinander. Ich
wollte eine ordentliche Prüfung", so die Vorgaben des Altensteigers zum
ersten internationalen Auftritt von Leonie Dissmann. Die junge Reiterin selbst
weiß um den Vorzug eines erfahrenen Trainers: "Ich bin froh, dass er dabei
war. Er läuft mit mir das ganze Gelände und den Parcours ab und bespricht mit
mir, wie ich die einzelnen Passagen reiten soll. Ohne ihn hätte es wohl nicht
so gut geklappt." Gold gewann ihre Teamkameradin Christine Seitz aus
Sachsenheim mit Amigo.
Michael Stark (Schwarzwälder
Bote, Calw, 18.8.03)